Was ist Lipödem?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, das Lipödem (lipohypertrohpia dolorosa) zu erklären. Aber verstehst du wirklich, was damit gemeint ist? Ich habe mich dazu entschlossen, die Fachbegriffe beiseitezulassen und es so zu erklären, dass man die Krankheit auch ohne medizinischen Hintergrund nachvollziehen kann – denn schließlich bin ich selbst kein Mediziner. 🙂

Das Wort „Lipödem“ beschreibt die Krankheit sehr gut:

Das Wort „Lipödem“ setzt sich aus zwei griechischen Wörtern zusammen:

  1. „Lip-„: Dies leitet sich von dem griechischen Wort „lipos“ ab, was „Fett“ bedeutet.
  2. „-ödem“: Dies stammt vom griechischen Wort „oídēma“ ab, was „Schwellung“ oder „Ansammlung von Flüssigkeit im Gewebe“ bedeutet.

Zusammen bedeutet „Lipödem“ also wörtlich eine „Fettschwellung“ oder „Schwellung des Fettgewebes“. Dies beschreibt die Erkrankung, bei der es zu einer krankhaften Vermehrung von Fettgewebe kommt, oft in Verbindung mit einer Flüssigkeitsansammlung und Schwellung in den betroffenen Körperbereichen.

Beim Lipödem spricht man oft von einer Fettverteilungsstörung, weil sich das krankhafte Fett vor allem an den Beinen und Armen ablagert. In den frühen Stadien, also Stadium 1 und 2, bleibt der Rest des Körpers meist verschont. Man erkennt das dann ganz einfach daran, dass der Oberkörper nicht so recht zum Unterkörper passt.

Wer ist betroffen?

Das Lipödem betrifft fast ausschließlich Frauen, und es tritt oft im Zusammenhang mit hormonellen Veränderungen auf, wie etwa während der Pubertät, Schwangerschaft oder Menopause. Genetische Faktoren spielen ebenfalls eine Rolle, da die Erkrankung häufig familiär gehäuft auftritt. (Ein Satz, den ich oft höre: „In meiner Familie haben wir einfach kräftigere Beine.“)

Bei Männern wurden Lipödem-typische Veränderungen nur bei ausgeprägten hormonellen Störungen wie Hypogonadismus, äthyltoxischer Leberzirrhose oder nach Hormontherapie im Rahmen von Tumorerkrankungen beschrieben.

Im Durchschnitt ist etwa jede zehnte Frau vom Lipödem betroffen. Die tatsächliche Zahl könnte jedoch höher sein, da viele Frauen aufgrund mangelndes Fachpersonal oder weil sie sich ihre Symptome nicht eingestehen wollen, keine Diagnose erhalten. In Luxemburg wird geschätzt, dass bereits jede achte Frau betroffen ist, basierend auf Einschätzungen des Fachpersonals.

Wie wächst das Lipödem weiter?

Das Lipödem schreitet in der Regel langsam voran oder auch durch Schübe und durchläuft mehrere Stadien:

  1. Stadium 1: Die Haut ist glatt, aber es bildet sich eine vermehrte, unproportionale Fettansammlung an den Beinen und/oder Armen. Es gibt Schwellungen, die sich über den Tag verstärken.
  2. Stadium 2: Die Hautoberfläche wird uneben und weist eine „Matratzen- oder Orangenhaut“-artige Struktur auf. Das Fettgewebe ist härter und die Schwellungen nehmen zu.
  3. Stadium 3: Die Fettvermehrung ist stark ausgeprägt, es bilden sich große Fettlappen und die Hautstruktur ist stark verändert. Die Beweglichkeit kann eingeschränkt sein. (Man spricht hier von einem Handikap)
Lipödem – Stadium 1
Lipödem – Stadium 2
Lipödem – Stadium 3

Bei dir ist nicht das ganze Bein betroffen?

Das kann daran liegen, dass das Lipödem nicht immer gleichmäßig wächst. Es entwickelt sich jedoch immer symmetrisch. Man unterscheidet dabei fünf verschiedene Typen.

  • Typ I: Fettgewebsvermehrung im Bereich von Gesäß und Hüften. („Reiterhosenphänomen“)
  • Typ II: Das Lipödem reicht bis zu den Knien, Fettlappenbildungen im Bereich der Knieinnenseite („Oberschenkeltyp“)
  • Typ III: Das Lipödem reicht von den Hüften bis zu den Knöcheln („Ganzbeintyp“)
  • Typ IV: Arme und Beine sind bis zu den Handgelenken/Knöcheln, also mit Ausnahme der Füße und Hände, betroffen
  • Typ V: Lipolymphödem mit vermehrter Wassereinlagerung in Hand- und Fußrücken sowie Fingern und Zehen
Typen I-IV, Quelle: Juzo
Typen I-IV, Quelle: Juzo

Wie entstehen die Schmerzen und das Druckgefühl?

Das vermehrte Fettgewebe übt Druck auf das umliegende Gewebe, das Lymphsystem, die Blutgefäße und Nerven aus. Dies führt zu einer schlechten Durchblutung und einer Ansammlung von Flüssigkeit (Ödem) im Gewebe. Die dadurch entstehende Spannung im Gewebe verursacht Schmerzen und ein starkes Druckgefühl. Zudem sind die betroffenen Bereiche oft sehr berührungsempfindlich und neigen zu blauen Flecken. Fühlen sich auch gerne etwas kälter an und werden nur sehr langsamer wieder wärmer.

Warum kann man nicht abnehmen?

Beim Lipödem handelt es sich um eine krankhafte Vermehrung von Fettzellen, die nicht durch Diät oder Sport reduziert werden können. Diese Fettzellen sind anders als die normalen Fettzellen im Körper. Während man durch eine gesunde Ernährung und Bewegung gesundes Körperfett abbauen kann, bleibt das Lipödem-Fett bestehen. Betroffene verlieren oft nur an anderen Körperstellen Gewicht, während die lipödem-betroffenen Bereiche unverändert bleiben. Dabei darf man nicht vergessen, dass auch an den betroffenen Stellen gesundes Fett vorhanden ist, das abgebaut werden kann – allerdings langsamer, da dort weniger gesunde Fettzellen vorhanden sind.

Es ist wichtig zu verstehen, dass gesundes und krankhaftes Fett gemeinsam zunehmen, wenn man an Gewicht zulegt. Beim Abnehmen reduziert sich jedoch nur das gesunde Fett, während das krankhafte Fett bestehen bleibt. Viele Lipödem-Betroffene erreichen daher irgendwann den Punkt, an dem das krankhafte Fett nicht mehr kontrollierbar ist. Deshalb ist es umso wichtiger, keine Experimente mit der Ernährung zu machen, sondern darauf zu achten, das Gewicht zu halten oder zu reduzieren.

Durch wiederholtes Ab- und Zunehmen können die Fettzellen unterschiedliche Größen entwickeln, was zu der sichtbaren Orangenhaut führt. Die Lipödem-Fettzellen sind oft von außen spürbar.

Das Hormon Östrogene

Durch das weibliche Hormon Östrogen kommt es bei Frauen zu einer Vermehrung und Vergrößerung der Fettzellen. Östrogene sind beteiligt am Schleimhautaufbau der Gebärmutter und beeinflussen das Wachstum des Brustgewebes. Östrogene können Wassereinlagerungen im Körper begünstigen.

In der ersten Zyklushälfte beträgt die Blutserum-Konzentration des Östradiols 25 bis 95ng/l.
Während des Eisprungs liegt sie bei 75 bis 570 ng/l,
wobei sie in der zweiten Zyklushälfte auf 60 bis 250 ng/l abfällt.

Frauen nach den Wechseljahren (Postmenopause) weisen einen Wert von weniger als 45 ng/l auf.
Bei Männern beträgt die Östradiolkonzentration zwischen 12 und 42 ng/l.
Bei Mädchen und Jungen vor dem Eintritt der Pubertät liegen die Östradiolwerte unter 30 ng/l.

In der Schwangerschaft steigt der Östrogenwert stark an, in dieser Zeit werden die Östrogene Östradiol und Östriol hauptsächlich von der Plazenta produziert. Der Wert erreicht seinen Höchstpunkt zum Ende der Schwangerschaft.

Quelle: https://www.apotheken-umschau.de/

Zusammenfassung:

Zusammengefasst ist das Lipödem eine schmerzhafte, chronische Erkrankung, die das Leben der Betroffenen stark beeinträchtigen kann. Es erfordert eine gezielte Behandlung und oft eine lebenslange Therapie, um die Symptome zu lindern.

Hinweis: Diese Informationen sind ohne Gewähr und beruhen auf meinen Erfahrungen und dem Wissen, das ich mir im Laufe der Jahre angeeignet habe. Ich hoffe, dass diese Zusammenfassung Ihnen hilft, besser zu verstehen, was in Ihrem Körper vor sich geht.

Liebe Grüße,
Martine Alzin