Arzt für die Diagnose

Die Diagnose sollte durch einen lymphologisch kompetenten Facharzt (Phlebologe, Angiologe, Venerologe) gestellt oder zumindest durch einen solchen abgesichert werden.

Ablauf der Diagnosestellung

Die Diagnose erfolgt in der Regel durch

  • Anamnese (Erhebung der Krankheitsgeschichte)
  • Inspektion (Anschauen)
  • Palpation (Abtasten)

Zusätzlich und zur Absicherung und Abgrenzung von anderen bzw. Sekundärerkrankungen können noch Ultraschall und Doppler-Sonographie durchgeführt werden.

Wichtig ist hierbei die Abrenzung zur Lipohypertrophie, Adipositas und Lymphödem. Die beiden letzteren treten allerdings häufig als Sekundärerkrankungen zusammen mit dem Lipödem auf.

Typische Kennzeichen eines Lipödems

  • Es tritt immer symmetrisch an beiden Beinen auf (Leitsymptom).
  • Häufig sind zusätzlich die Arme betroffen. Dann ähnelt die Fettverteilung dort der an den Beinen.
  • Niemals sind die Füße bzw. die Hände betroffen. Das vermehrte Fettgewebe erstreckt äußerstenfalls bis zu den Knöcheln bzw. Handgelenken (Leitsymptom).
  • Spontane („grundlose") Schmerzen in Form eines dumpfen Schwellungsgefühls bis hin zu „berstenden" Spannungsschmerzen. Berührungs- und Druckschmerzhaftigkeit an Ober- und Unterschenkeln. Diese Beschwerden verschlimmern sich meist mit zunehmender Flüssigkeitseinlagerung im Lauf des Tages (Leitsymptom). Bei manchen Frauen sind die Schmerzen in den Tagen vor der Monatsblutung besonders stark.
  • Ausgeprägte Neigung zu Hämatomen ("blaue Flecken", Blutergüsse) schon bei geringen Stößen oder Druckbelastung aufgrund einer erhöhten Brüchigkeit der Haargefäße ("Kapillarfragilität") (Leitsymptom).
  • Flüssigkeitseinlagerungen ("orthostatische Ödeme") im Fettgewebe des Lipödems (also nicht in den Füßen in der zweiten Tageshälfte, insbesondere bei warmem Wetter und nach langem Stehen oder Sitzen (Leitsymptom). Die Beine fühlen sich dann sehr schwer, schmerzhaft gespannt, müde und kraftlos an. Die Schmerzen lassen selbst durch Hochlagern der Beine nicht nennenswert nach. Bei manchen Frauen treten die Flüssigkeitseinlagerungen kurz vor der Monatsblutung verstärkt auf.
  • Die Menge des Fettgewebes im Lipödem kann weder durch Diät noch Sport reduziert werden (Diät-Resistenz). Selbst extreme Abmagerungskuren, die Oberkörper und Gesicht ausgemergelt und knochig wirken lassen, führen zu keiner Abnahme des Lipödems (Leitsymptom).
  • Das Stemmer'sche Zeichen ist negativ (Ausnahme: Lipo-Lymphödem).
  • Gesäß und Beine wirken gegenüber dem Oberkörper unproportioniert. Das gilt unabhängig davon, ob die Patientin schlank oder übergewichtig ist! In jedem Fall ist der Umfang der Hüfte mindestens 1,4-mal größer als der Taillenumfang ("Waist-to-hip-ratio" oder "Taille-Hüft-Verhältnis" ist kleiner als 0,7).
  • Ein (vorsichtiger!) Kneiftest (Pinch-Test) im Bereich des Lipödems verursacht Schmerzen, nicht dagegen am Bauch oder Rücken.
  • An den Außenseiten der Beine verursacht ein Pinch-Test größere Schmerzen als an den Innenseiten. (Bei Gesunden ist das umgekehrt.)
  • Ein Pinch-Test verursacht an den Waden größere Schmerzen als an den Oberschenkeln.
  • Die Schmerzhaftigkeit des Lipödems hängt nicht von der Ausprägung des Fettgewebes sondern der Flüssigkeitseinlagerung ab. Auch relativ "dünne" Lipödeme können extreme Schmerzen verursachen! So gibt es nicht wenige, meist sehr junge, Lipödem-Patientinnen, deren Lipödem "klinisch inapparent" (optisch nicht zu erkennen) aber extrem schmerzhaft ist.
  • Die Haut im Bereich des Lipödems fühlt sich im Vergleich zur Haut am Bauch oder am Rücken knotig an.
  • Bei schlanken, sportlichen Frauen, deren Muskeln sich am Rumpf (insbesondere am Rücken) deutlich abzeichnen, ist die Muskulatur im Bereich des Lipödems durch Fettgewebe "verstrichen" (nicht sichtbar).
  • Das Lipödem ist von weicher Konsistenz (Ausnahme Stadium III), ein Druck mit dem Daumen hinterlässt keine Eindellung.
  • Die Oberschenkel fühlen sich kalt an, sogar wenn die Patientin selbst dort ein Brennen verspürt.